Das Märchen vom Nulltarif


Warum Zahnersatz nicht kostenlos ist

Immer häufiger stolpern Patienten über Werbung mit derartigem Inhalt. Mit Hilfe des Einkaufs von billigem Zahnersatz aus China und anderen Billiglohnländern soll das Portemonnaie des Patienten nicht belastet werden. Doch kann das funktionieren? Was erwartet die Patienten wirklich?

Klare Frage, klare Antwort:

Die absolute Aussage des Begriffs „Zahnersatz zum Nulltarif“ ist falsch! Nur Regelleistungen werden für Patienten kostenlos angeboten. Die Regelleistung ist in Deutschland durch den Gesetzgeber definiert. Sie ist lediglich eine zweckmäßige Basisversorgung. Wünscht der Patient aber zum Beispiel statt einer herausnehmbaren Prothese mit Klammerverankerung einen festsitzenden Zahnersatz oder hat er Interesse möglichst viel seiner natürlichen Zähne zu erhalten, handelt es sich um höherwertige Leistungen. Schon der Wunsch nach einer kleinen ästhetischen Verbesserung bezüglich Materialauswahl oder Behandlung ist auch bei den vermeintlichen Schnäppchenanbietern kostenpflichtig!

Qualität, Ästhetik, Sicherheit?

Eine Studie des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz zu Ergebnisqualität und Kosteneffektivität zahnärztlich-prothetischer Versorgungen im (Nicht-EU-) Ausland aus dem Jahr 2008 kam zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte der angefertigten Zahnersatzversorgungen mängelbehaftet und bei 2/3 davon eine vollständige Neuanfertigung zu empfehlen war. Den Kostenvorteil, welchen sich die Patienten vor Behandlungsbeginn errechnet hatten, erwies sich in vielen Fällen als Kostennachteil.

Die aktuellen Meldungen über bleiverseuchte Spielzeuge oder Gift in Zahnpasta und Milchprodukten verdeutlichen, dass die Diskussion über die Qualität und Sicherheit der Produkte, die in China und vergleichbaren Billiglohnländern produziert und weltweit exportiert werden, nicht ernsthaft genug geführt werden kann.

Durch die alleinige Fokussierung auf den Preisaspekt bei Billigzahnersatz wird eine Sicherheitsillusion genährt, dass höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards, auf die man in Deutschland zu Recht vertrauen kann, in anderen Ländern auch nur annähernd gewährleistet sind. Es wäre nach den jüngsten Skandalen in vielen Produktbereichen grob fahrlässig, in diesem Glauben zu verharren. Vielmehr ist spätesten nach dem jüngsten Fall der bleiverseuchten Spielzeuge und giftverseuchter Milch festzustellen, dass in vielen Ländern der Welt keine Strukturen vorhanden sind, die dafür Sorge tragen, dass die auf dem Papier zugesagten Qualitäts- und Sicherheitsstandards rechtlich und fachlich eingehalten und durchgesetzt werden.

Arbeitsplätze: Eine Frage des Gewissens?

Eng verflochten mit der Frage des Herstellungsortes von Zahnersatz sind auch die Auswirkungen auf den inländischen Arbeitsmarkt: Eine zunehmende Inanspruchnahme der Discountanbieter kostet tausende Arbeitsplätze. Die dadurch entstehenden Einnahmeausfälle der Sozialversicherungen und die Kosten der Arbeitslosigkeit trägt wiederum die Allgemeinheit, also auch der einzelne Patient.